Eine Sammlung der besten Zitate, Sinnsprüche und Aphorismen von "Heinrich Jung-Stilling".
 
Zitate Der Zweck der Sonn- und Feyertage ist, neben dem gewöhnlichen Gottesdienst, von schweren Arbeiten auszuruhen, auch wohl erlaubte und anständige Ergötzlichkeiten zu geniesen. Diese Freyheit darf aber nicht auf rasende Tänze, Vollsaufen und Schwärmen in die Wirthshäuser azsgedehnt werden, alles muß ruhig und ordentlich zugehen.


Zitate Es ist übertriebene Moral, wenn man dem sinnlichen Menschen alle sinnlichen Vergnügen rauben will, er sucht sie dann doch, und dies je heimlicher, je gefährlicher.



Zitate Es bilde sich niemals jemand ein, er sey in der Welt nicht zu mißen.

Zitate Nichts erniedrigt den Menschen mehr, als wenn er groß scheinen will.

Zitate Das Spíelen ist auch eie fürchterliche Leidenschaft, die früher oder später jeden, der sich dadurch beherrschen läst, ganz gewiß zu Grund richtet, geschweige der vielen Sünden, Zorn, Rache, Eigennuz, Betrügereyen u.d.g. die damit verbunden gehen.


Zitate Es gibt keine Niedrigkeit des Standes, wenn die Seele geadelt ist.

Zitate Auch selbst im hochblühenden Schöngeisterstande wagt sich manch Zwergmännchen, thürmt Ballen von Druckpapier wie hohe Berge aufeinander, steht oben drauf, ruft: Guck! da bin ich auch.


Zitate Schauspieler von allerhand Art, Gaukler, Taschenspieler, Seltänzer u.d.g. sind ein Gift für die Gewerb-Stände, alles lauft hinzu, verschleudert Gelnd und Zeit, und jene bodlose Künstler verschwenden den Gewinn wieder.


Zitate Ich habe einmal den Grundsatz angenommen, daß sich ein Rezensent, als solcher, alles Urtheilens enthalten, und blos den Inhalt einer Schrift anzeigen soll. Denn: 1) Hat ihn niemand zum Richter über die Arbeiten seines freyen Mitbürgerns angeordnet und berufen. 2) Kann ein Schriftsteller sehr richtige, und der Rezensent sehr unrichtige Gundsätze haben; da dies nun selten aus den Rezensionen erkannt werden kann, so können die besten Bücher dadurch verachtet, und am Umlauf gehindert werden; und 3) Kann auch der Haß und die Parteylichkeit mit einwürken und das Gute hindern und das Böse befördern.


Zitate Der Raum ist bloß die Würkung der körperlichen sinnlichen Werkzeuge, ausser ihnen existirt er gar nicht.


Zitate Auf allen Universitäten, besonders in Jena, Halle und Göttingen, gibt's Professoren, die wahrhaftig nicht so viel Kopf und wahre Vernunft haben, daß sie imstande wären, Bauernknaben gehörig zu unterrichten, und doch dünken sie sich große Lichter zu sein un werden in der Welt als große Männer gepriesen.


Zitate Bey den leichtfertigsten Romanen, bey den gefährlichsten Schriften aller Art, wodurch unsre jungen Leude beyderley Geschlechts nach Leib und Seele verdorben werden, hat man nichts zu erinnern, da gilt Dultung und Preßfreiheit. Die abscheulichsten Ausschweifungen aller Art, die täglich begangen werden, die ausgelassenste Sittenlosigkeit, und tollste Frechheit dultet man nachsichtig, so bald aber nur einmal hie und da ein religiöser Schwärmer etwas gesezwidriges beginnt, so will man gleich aus der Haut fahren.


Zitate Eine Pflicht ist eine Handlung, deren Ausführung nützlich ist, dagegen ist eine Handlung pflichtwidrig, so bald sie schadet.


Zitate Ich kenne kein frivoleres, gegen alle Religion leichsinnigeres Volk als die Badenser und die Pfälzer.


Zitate Der Fluch des Neiders trifft niemals.



Zitate Mißbräuche finden wir immer in dieser unvollkommenen Welt alltenhalben bey Hohen und Niedern, und wer sie dann durchaus abgeschaft wissen will, der fange ja erst bey sich selbst an: denn wenn das jeder thut, so wirds überall besser werden.


Zitate Der Mensch ist unter allen Thieren von Natur das wehrlosetste und hülfsloseste Geschöpf; kein Instinkt und kein Kunsttrieb unterstützt ihn, alles war er zum Schutz und zum Leben braucht, muß er sich durch seine eigene und seiner Mitmenschen Vernunft erfinden und erschaffen, daher muß er in Gesellschaft leben.


Zitate Endlich kommen hier auch noch die Schnürbrüste und das schädliche Haarbrennen und Frisiren in Betracht; beyde Ungeheuer des Modezwangs, wozu auch noch das Schminken gehört, sollten billig von der Polizey verboten werden.


Zitate Die Staatspolitik ist noch immer ebenso pfiffig, als sie bei den Assyriern, Babyloniern, Persern, Griechen und Römern war; und unsere Kriege haben durchgehends so wenig Christliches, daß man eine europäische Armee wohl schwerlich von Nebukadnezars oder Alexanders Heeren, was die Handlungsweise betrifft, würde unterschieden können.


Zitate Ich denke, da wir doch nun einmal anfangen vernüftig zu werden, und uns dem Stand der einfachen Natur zu nähern, man thäte am besten, wenn man alle Kleider abschaffte und sich blos mit Feigenblättern-Schürzen bedeckte! Dann hätte das Modewesen ein Ende, und es würde auch etwas merkliches dadurch gespart, geschweige, daß der große Zweck der Menschenrechte, Freyheit und Gleichheit dadurch zur höchsten Vollkommenheit gelangen würde.


Zitate Meine Kleidung muß so beschaffen seyn, daß sie den Leib ordentlich erwärme und bedecke. Ihre Gestalt aber muß dadurch bestimmt werden, daß sie niemand Gelegenheit entweder zum Spott oder zum Ärgerniß geben.


Zitate Die Katholische Kirche reinigt sich allmälig von ihren allgemein anerkannten Misbräuchen, und stellt nach und nach den wahren Apostolischen Lehrbegrif, der eine graume Zeit unter einer Menge Lithurgischer Kirchengebräuche verdeckt und verborgen war, wieder ans Licht.


Zitate Der Caffee ist ein erbärmliches, schädliches Nahrungs-Mittel, aber ein herrliches Arzneymittel; wer Heiterkeit und Thätigkeit der Lebens-Geister bedarf, dem dienen täglich ein Paar gute Tassen Caffee, aber auch nicht mehrere, zu einer unvergleichlichen Stärkung, deren ihn keine Gesezgebende Gewalt berauben darf und soll.


Zitate Die Israeliten haben unstreitig die ältesten Schriftstellerm die älteste Schriftsprache, die älteste gebildete Religion, und ihr Staat hatte schon die ganze Sphäre der Künste und des Luxus durchlaufen, als die Griechen erst anfingen die Kinderschuhe der Menschheit auszuziehen.


Zitate Die Juden sind nun auch nach dem Fleisch unsere Brüder, und wir sind daher doppelt verpflichtet, uns ihrer anzunehmen.



Zitate Wie leicht kann der rechtschaffenste irren -- und welcher Heilige im Himmel hat nicht geirrt!


Zitate Man geht immer sicherer, dem mutwilligen Volke härter zu drohen, als man Willens ist zu strafen.



Quelle:
Jung-Stilling-Lexikon Religion, hrsg. und eingel. von Dr. Gerhard Merk, Universitätsprofessor in Siegen. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 79.
Zitate Was man von behexen, von allerhand Krankheiten, und körperlichen Übeln an Menschen und Vieh zu glauben pflegt, und der Hexerei zuschreibt, das ist Aberglaube, und gewöhnlich Betrug, und Täuschung, oder eine Krankheit, ein Umstand, den die Ärzte noch nicht aus natürlichen Ursachen erklären können.



Zitate Eine erlaubte Handlung ist eine solche, durch deren Ausführung nichts übles entsteht; eine unerlaubte aber, die keine Sittenregel für sich hat, die also nicht erlaubt, aber auch im Gesetz nicht eben verboten ist.


Zitate Grossmut ists: wenn ein Mensch edlen großen Thaten nachstrebt, dabei kleinere Hindernisse mit dem Fuse aus dem Weg stößt, oder wenn er im Dunkeln unbemerkt würkt, Lohn und Krone aber in der Ewigkeit erwartet.


Zitate Jeder Mensch hat das Recht sich zu vervollkommnen, folglich: Jeder Mensch soll zur Vervollkommnung aller Mitglieder seiner bürgerlichen Gesellschaft so mitwürken, wie er wünscht daß sie auf in würken möchten. Dieser Saz ist der Grundsaz der politischen Tugend.


Zitate Gott! -- wie kan bey der unendlichen Abstufung in den Graden des Reichthums, der moralischen Güte, des Verstandes, der List, der Verschlagenheit, und der Macht, an eine nur einen Augenblick dauernde Gleichheit der Stände gedacht werden?


Zitate Aller Zwang zu irgend einem Glaubensbekänntniß, oder Religionsgebrauch ist Tyranney.


Zitate Wer gab den Bischöfen und dem Muhammed das Recht über die Gewissen dr Menschen, über ihren Glauben und Meinungen zu herrschen? und alle, die ihr von Gott aneschaffenes, und sanctionirtes Recht behaupten wollten, mit dem Bann zu belegen, zu verfolgen, zu martern, und so gar aufs schmerzlhafteste hinzurichten?


Zitate Der Glaubenszwang hemmmt jede Untersuchung der Wahrheit; der gewöhnliche Mensch wird nicht dazu aufgemuntert, der Denker aber oder das Genie entwickelt sich entweder ins geheime, seufzt in den Fesseln, und die von ihm erfundene Wahrheit wird nicht kund.
Dies ist die Ursache warum die Muhammedaner immer auf der untersten Stufe der Kultur stehen bleiben: denn der Tod steht darauf, wenn einer etwas anders glaubt. als was im Koran steht; und nicht besser sah es in der Christenheit vor der Reformation aus.

Zitate Es ist Dämmerung auf der ganzen weiten Erde und zudem, ein Nebel, daß man keine Hand vor Augen sieht, tausend Irrwische winken auf allen Seiten.


Zitate Seid aufmerksam auf euer Gewissen, so werdet ihr finden, daß dasselbe euch allemal nach der großen Regul rüget: Tut was eure und eures Nebenmenschen Glückseeligkeit befördert und unterlasset was derselben hinterlich.


Zitate Nicht Vergnügen, nicht Genuß, nicht die ewige Seligkeit ist Zweck unseres Daseins, sondern Tätigkeit zum allgemeinen Besten.


Zitate Wir sind auf das Wort Gottes, auf den Herrn, und auf seinen Geist angewiesen, alle andere Geister gehen uns nichts an.


Zitate Wir können gewiß versichert seyn, daß der Herr jedes gläubige Gebet erhört, wir erlangen immer etwas dadurch, was wir ohne unser Gebet nicht erlangt haben würden, und zwar das, was für uns das beste ist.




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